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Grenzübergreifendes Selbsthilfeprojekt 2016 „Kunst und Seele“
20.07.2016
Grenzübergreifendes Selbsthilfeprojekt 2016 „Kunst und Seele“
Begegnungen und Erfahrungsaustausch in Ettelbrück und Vielsalm
Ettelbrück und Vielsalm. Weiter ging es mit dem innovativen gesundheitsbezogenen Projekt der saarländische Selbsthilfe SeelenLaute mit ihrer Ortsgruppe Merzig-Wadern nach Ettelbrück (Luxemburg) und Vielsalm (Belgien). Themenstellung erneut: Aufgabe und Wirkung, Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Psychotherapie, Kunsttherapie und Outsider Art. Was hilft wie? Der Themenkomplex wurde auch mit Betroffenen in den dortigen Orten spannend diskutiert.

Ende März war man, unterstützt von der Europäischen Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in der Psychiatrie e.V., mit einem Stand in Mittelluxemburg. Nach einer Einladung der örtlichen Union Commerciale et Artisanale war ein regionaler Referent des inklusiven europäischen Kunstprojektes Art-Transmitter am Sonntag 20. März 2016 beim Ettelbrücker Frühjahrs-Kulturweekend am Kirchplatz in der Fußgängerzone präsent. Am gemeinsamen Stand mit SH SeelenLaute Merzig Saar wurde bis am Abend die Möglichkeit zu Information und Diskussion rund ums Thema „Kunst und Seele – Was hilft wie“ angeboten. Dazu luden ergänzend eine ausgewählte Kunstpräsentation sowie eine Literaturauslage ein. Die Gäste und Gesprächspartner kamen aus Luxemburg, dem grenznahen Lothringen, Belgien, Saarland und Rheinland-Pfalz. SeelenLaute Merzig nahm bereits am Samstag im Ort Gespräche mit Luxemburger Selbsthilfe- und Outsider Art-Aktiven wahr. Dabei traf man sich zu Vernetzung und Erfahrungsaustausch in der Cafeteria des Klinikum CHNP (Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique). Vertreter der Saar-Selbsthilfe reisten an, um grenzübergreifend Gremienkontaktgespräche zu führen. Die länderübergreifende Zeitschrift "Lautsprecher/SeelenLaute" wurde an viele Interessierte verteilt.

Im Juni führte das Seminarprojekt ins wallonische Vielsalm, zum La „S“ Grand Atelier. Bis in die Collection de l´Art Brut Lausanne und in die Outsider Art-Messe nach Paris haben es Künstler dieses Ateliers aus der Wallonie gebracht. Plus ca. 14.000 Werke im Fundus! Nicht nur Malerei, Zeichnung, Radierung, Linolschnitt oder Mixed Media erarbeiten die heute fast fünfzig Autodidakten-Künstlerinnen und -Künstler mit geistigen und psychischen Handicaps hier. Auch Textilwerke, Skulptur, Installationen bis hin zu musikalischen und Theaterschöpfungen werden realisiert. Zu den gut ein Dutzend, meist großflächigen Studios und Räumen gehören auch zwei Galerieräume, in denen kuratierte Wechselausstellungen, teilweise gemeinsam mit anderen Kulturstellen (auch aus der akademischen Kunstwelt) stattfinden.

Der organisatorische Ansatz ist ambitioniert und zeitgemäß. Ein kultureller gemeinnütziger Verein, eingebettet in eine größere Trägerstruktur für Menschen mit Handicaps, unterstützt die im Lebenshandling eingeschränkten Kulturschaffenden mit entsprechenden Räumlichkeiten, Materialien, mit Präsentation, Publizität und Organisationshilfen bei Ausstellungen und Veranstaltungen. Bewusst nicht aus dem therapeutischen oder gar pflegerischen Milieu sind die professionell tätigen Mitarbeiter rekrutiert. Sie kommen aus Kunst, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit, die meisten sind selbst Künstler. Die Herausforderung schafft das etwa zehnköpfige Unterstützer-Team aus künstlerischen Koordinatoren sowie zeitweisen Praktikanten und Freiwilligendienstlern sympathisch unbefangener als manche therapeutischen Begleiter andernorts. Die Künstler mit Handicaps, darunter Autisten, brauchen vermehrt das persönliche Gespräch und menschliche Zuwendung. Tabu sind anleitendes und gemeinsames Malen, Zeichnen etc., um die Künstlerarbeit nicht zu beeinflussen. Dennoch werden sie zu Möglichkeiten und Techniken beraten, um kreative Potentiale zu beflügeln. Anne-Francoise Rouche, die Atelierleiterin, sagt: „We are the coaches, the means of production.“ Das gesamte Vielsalmer Projekt lebt vom Austausch, von der Wechselwirkung und Wechselbeziehung aller Akteure. Mittels professioneller Kulturarbeit unterstützt man gute Kunst von BürgerInnen mit geistigen und psychischen Handicaps, und darüber ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dazu ist man in ganz Belgien und europaweit in der zeitgenössischen Kunstszene aktiv.

Das Konzept geht auf. Die Künstler kommen aus der Region – durchaus auch mal nach Empfehlung eines Psychiaters der nächstgelegenen Psychiatrie – von zuhause in die Ateliers und können sich auf ihr Arbeiten konzentrieren. Kunst direct, im freien Fluss ihrer Potentiale, die im Ursprung nicht akademisch ge- oder (wie Dubuffet sagen würde) verformt ist, noch sich an Markt und Medien orientiert. Kunst kennt keine Grenzen. Outsider Art verbindet heute. Kultur wird somit von selbst zum Genesungshelfer und Teilhabekatalysator, ist Inklusion. Keine altbackene Behindertenvorführung für die so genannten normalen Bürger, keine Therapiekunst, kein unwürdiges Basteln und Beschäftigen auf Heimniveau, keine Einbindung in eine Klinik oder Tagesstätte, nix WfB, no Arzt. Es geht auch so.


Diese wichtigen, auch vernetzenden Begegnungen und Erfahrungen im Rahmen des Seminarprojekts konnten dank Unterstützung aus der GKV-Selbsthilfeförderung (Knappschaft und energie-BKK) durchgeführt werden.

(Fortsetzung folgt..)


- Foto: Archiv SH SeelenLaute Merzig -
14.07.2016
Black Folk Art in America
New INTUIT-exhibition Jul 15, 2016 – Jan 2, 2017
Chicago/USA. Intuit revisits the Corcoran Gallery of Art’s groundbreaking 1982 exhibition „Black Folk Art in America 1930–1980“ to celebrate it’s 25-year anniversary. It explores all the areas impacted by the term “Black Folk Art”.

Intuit
The Center for Intuitive and Outsider Art
756 N Milwaukee Avenue, Chicago, IL 60642, USA
www.art.org
14.000 mal Outsider Art
13.07.2016
14.000 mal Outsider Art
Vielsalmer La „S“ Grand Atelier hat sich in die erste Reihe geschafft
Vielsalm (Belgien). Bis in die Collection de l´Art Brut Lausanne und in die Outsider Art-Messe nach Paris haben es Künstler dieses Ateliers aus der Wallonie gebracht. Plus ca. 14.000 Werke im Fundus. So die ungefähre Bestandszahl allein an Papier- und Leinwandarbeiten des La „S“ Grand Atelier in der rue de Chasseurs Ardennais ausgangs des belgischen Städtchens Vielsalm. Aber nicht nur Malerei, Zeichnung, Radierung, Linolschnitt oder Mixed Media erarbeiten die heute fast fünfzig Autodidakten-Künstlerinnen und -Künstler mit geistigen und psychischen Handicaps. Auch Textilwerke, Skulptur, Installationen bis hin zu musikalischen und Theaterschöpfungen werden realisiert. Zu den gut ein Dutzend, meist großflächigen Studios und Räumen gehören auch zwei Galerieräume, in denen kuratierte Wechselausstellungen, teilweise gemeinsam mit anderen Kulturstellen (auch aus der akademischen Kunstwelt) stattfinden.

Der organisatorische Ansatz ist ambitioniert und zeitgemäß. Ein kultureller gemeinnütziger Verein, eingebettet in eine größere Trägerstruktur für Menschen mit Handicaps, unterstützt die im Lebenshandling eingeschränkten Kulturschaffenden mit entsprechenden Räumlichkeiten, Materialien, mit Präsentation, Publizität und Organisationshilfen bei Ausstellungen und Veranstaltungen. Bewusst nicht aus dem therapeutischen oder gar pflegerischen Milieu sind die professionell tätigen Mitarbeiter rekrutiert. Sie kommen aus Kunst, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit, die meisten sind selbst Künstler. Man will nicht therapieren, nicht verordnen, nichts vorgeben, sondern einen guten Rahmen für kreatives Schaffen geben und motivieren. Ein verwandtes Konzept zum Künstlerhaus Gugging in Österreich oder ähnlich dem des Creative Growth Art Center in Oakland (USA).

Idee und Gründung gehen auf Künstlerin und Kunstlehrerin Anne-Francoise Rouche zurück, die bis heute die künstlerische Leitung innehat. Großen Wert legt sie auf Zusammenarbeit mit nicht-behinderten KünstlerInnen und dem „normalen“ Kunstbetrieb. So praktiziert man Kontakte und Austausch genauso mit dem Lütticher MADmusée wie mit dem Frankfurter Lebenshilfe-Atelier Goldstein oder belgischen Kunstakademien und Profi-Galerien. Die Finanzierung gestaltet sich aus einem Mix. Landes- und EU-Fördergelder fließen ein, die das La Grand „S“ Projekt zusammen mit Spenden, Verkaufserlösen und Unterstützungen über die zwei Jahrzehnte des Bestehens absichern und in der Kulturwelt der Großregion verankern konnten. Der Start in 1992 war ein Kunstworkshop innerhalb der Wohnanlagen von „La Hesse“ in Vielsalm für BürgerInnen mit geistiger Behinderung. Dies wurde erfolgreich weiter entwickelt und expandierte, bis man 2001 als „Centre for Expression and Creativity“ (CEC) anerkannt wurde und in die Gebäude am Ortsrand in Rencheux zog.

Die Herausforderung schafft das etwa zehnköpfige Unterstützer-Team aus künstlerischen Koordinatoren sowie zeitweisen Praktikanten und Freiwilligendienstlern sympathisch unbefangener als therapeutische Begleiter. Die Künstler mit Handicaps, darunter Autisten, brauchen vermehrt das persönliche Gespräch und menschliche Zuwendung. Tabu sind anleitendes und gemeinsames Malen, Zeichnen etc., um die Künstlerarbeit nicht zu beeinflussen. Dennoch werden sie zu Möglichkeiten und Techniken beraten, um kreative Potentiale zu beflügeln. Anne-Francoise Rouche: „We are the coaches, the means of production.“ Bekanntlich fällt die Sprachwahl schwer, wenn beim Terminus „Outsider Art“ (sich selbst so definierte) „Insider“ andere als „Outsider“ bestimmen oder man auch mit „Art Brut“ sich des Paradoxons einer „Inklusion durch Exklusion“ bewusst wird.

Inzwischen hat auch Vielsalm seine „Namen“ hervor gebracht. Dominique Theate beispielsweise ist ein begabter Cartoon-Zeichner mit ganz spezifischen Themen, die aus seiner Biografie herrühren. Das Atelier vermittelte die Zusammenarbeit mit einem Comic-Buchautor. Oder wie bestechend die Figurensprache in den Malereien von Irène Gerard, um zwei populäre La „S“ Grand-Künstler zu benennen. Sensibel geht man in puncto Verkauf und Kommerzialisierung um. Regulär gilt eine 50/50-Teilung. Die Modi sind transparent, wohlwissend dass einigen der Künstler Geld egal bzw. für andere das Ökonomische (kognitiv) nicht verstehbar ist. Für die meisten aber sind Verkaufseinnahmen – wie bei jedem Künstler – Teil der Anerkennung für ihre Kunst. Das Team weiß um diesen Spagat und dass man sich eben individuell kümmern muss. Das gesamte Vielsalmer Projekt lebt vom Austausch, von der Wechselwirkung und Wechselbeziehung aller Akteure. Mittels professioneller Kulturarbeit unterstützt man gute Kunst von BürgerInnen mit geistigen und psychischen Handicaps, und darüber ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dazu ist man in ganz Belgien und europaweit in der zeitgenössischen Kunstszene aktiv.

Das Konzept geht auf. Die Künstler kommen aus der Region – durchaus auch mal nach Empfehlung eines Psychiaters der nächstgelegenen Psychiatrie – von zuhause in die Ateliers und können sich auf ihr Arbeiten konzentrieren. Kunst direct, im freien Fluss ihrer Potentiale, die im Ursprung nicht akademisch ge- oder (wie Dubuffet sagen würde) verformt ist, noch sich an Markt und Medien orientiert. Da sieht der Besucher gerade eine textile Burka-Installation zur Ausstellung in einem Wald in der Entwicklung (deren Urheberin es gar in eine ausländische Artist-in-Residence schafft) oder in einem Lagerraum die ersten zwanzig verpackten Holzteile einer riesigen abstrakten Installation, die unbeschadet zu einer Exposition nach Brüssel müssen. Bei den Bildwerken lassen filigrane Feinlinienzeichnungen oder spannende skurrile Fabeltiermotive alte Art Brut-Authentizität verspüren und das 1:1-Verwobensein des Künstlers mit seinem Werk, wenn man als Gast die Ehre hat, live über die Schultern schauen zu können. Unter diesen Voraussetzungen plus im Miteinander der gesamten Ateliergemeinschaft hat sich bei manchen erstrangiges Niveau entfaltet. Zurecht stolz blättert Erwin Dejasse, Pressereferent im Haus, in den Archivschubladen und zeigt einige der „Top“-Arbeiten. Andere werden sicher noch entdeckt werden.

Stets ist man offen für neue Kooperationen und Lokalitäten oder geht zielgerichtet dorthin, wo Rezeption und Interesse am größten sind. Kein Wunder also, dass die erste Vielsalm-Präsenz auf der Outsider Art Fair 2015 in Paris ein Erfolg war. Die nicht geringe Koje-Gebühr bekam man vorab gestemmt und es wurde verkauft. Ergo ist man auch 2016 dort, wenn weltbeste Ateliers, Kunsthändler und Galerien der Outsider Art und Art Brut in Frankreich auf ein großes, unvoreingenommenes Messepublikum aus Sammlern, Kunstfreunden und publizistischer Fachwelt treffen. Kunst kennt keine Grenzen. Outsider Art verbindet heute. Kultur wird somit von selbst zum Genesungshelfer und Teilhabekatalysator, ist Inklusion. Keine altbackene Behindertenvorführung für die so genannten normalen Bürger, keine Therapiekunst, kein unwürdiges Basteln und Beschäftigen auf Heimniveau, keine Einbindung in eine Klinik oder Tagesstätte, nix WfB, no Arzt. Hier entsteht einfach .. Kunst.



- © Text und Foto: G. Peitz, Bous (2016) -
Termine

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„Licht und Schatten“-Schreibworkshop in Kaiserslautern
SeelenWorte-Selbsthilfenachmittag am 25. Mai präsentiert auch Cartoon

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Kaiserslautern. Die rheinland-pfälzische Selbsthilfe SeelenWorte RLP ist am Samstag, 25.05.2019 mit einer länderübergreifenden Selbsthilfeveranstaltun mehr
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March 16 – May 4, 2019
Copenhagen Outsider Art Gallery features artworks by Dave Mutnjakovic, Casper S. Nielsen and Jim Sanders. The exhibition is titled "+4" and mehr
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FARBENFROH in Merzig
Vernissage am 17. März in der Fellenbergmühle
Merzig, Saar. Die vornehmlich weiblich besetzte Künstlergruppe „Farbenfroh“ des Merziger Tageszentrums von TRIAS e.V., stellt von 17. März bis 12. Mai mehr