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„Nur vor der Staffelei beim Malen fühle ich ein wenig Leben“
24.10.2012
„Nur vor der Staffelei beim Malen fühle ich ein wenig Leben“
Wochen der Seelischen Gesundheit im Saarland zu „Kreativität statt Krise“
Saarbrücken. Vermutlich kam der Anstoß aus der Betroffenen-Selbsthilfe für seelische Gesundheit. Nach dem großen kulturellen Selbsthilfetag für seelische Gesundheit, mit Künstlern, Literaten, Musikern, Kabarettisten, ausstellenden Malern und Referenten mit und ohne Psychiatrieerfahrung im Juni in Wadern, standen die Wochen der Seelischen Gesundheit im Saarland 2012 unter dem Aspekt der Kreativität. Die Schirmherrschaft lag auch im Oktober bei Gesundheitsminister Andreas Storm. So waren die Veranstaltungen vom 7. bis 21. Oktober unter dem Titel „Im Gleichgewicht“ neben Vorträgen von Poesie, Malerei, Musik und Bewegung geprägt. Bei der Eröffnung am 8. Oktober erörterte Literaturwissenschaftler Dr. Reiner Marx die selbsttherapeutischen Möglichkeiten, Qualitäten und Wirkungen der Musen.

Viele Selbsthilfegruppen informierten im umfänglichen Programmheft über ihre Treffen und Gesprächsrunden. Einige Betroffeneninitiativen gestalteten mit ihren kreativen Akteuren und Freunden selbst öffentliche Veranstaltungen, auch um ein Gegengewicht gegenüber den -besser finanzierten und in den Wochen überwiegenden- Programmpunkten von Kliniken, Einrichtungen und Sozialträgern darzustellen. Herauszuheben ist hier sicher die saarlandweit tätige Selbsthilfe SeelenLaute Saar im BPE e.V., die mit „Literatur aktiv – hält uns seelisch fit“ einen viel beachteten Lesungs-, Musik- und Informationsabend in der Völklinger Stadtbibliothek gestaltete und das Projekt "Völklingen lebt gesund" attraktiv bereicherte.

„Literatur, - Kunst und Kultur sind Basis unserer Gesundheit und für gesellschaftliche Teilhabe“ hieß es dort. Und das kommt nicht nur in der Bevölkerung immer mehr an, sondern z.B. auch bei den Krankenkassen. Eine verstärkte, regelmäßige Förderung im Gesundheits-Kreativbereich, etwa über die GKV-Förderung an die aktive Betroffenenselbsthilfe spart dem Gesundheitssystem vorbeugend und nachhaltig zudem große Kosten, was die Kassen inzwischen erkennen.

Die Künste helfen, verbinden, sind heilsam für die seelische und Gesamtgesundheit, mehr denn je. Dies gilt und galt es zu „powern“, was dem koordinierenden Veranstalter Saarländisches Bündnis gegen Depression erfolgreich gelang.
www.seelische-gesundheit-saarland.de
andersArtig / großArtig – Art Brut Revisited
23.10.2012
andersArtig / großArtig – Art Brut Revisited
Ausstellung „Grenzerfahrungen“ bis 28. Oktober in Strassen
Strassen und Luxemburg. Innerhalb des 2. Internationalen Symposions über Outsider-Kunst Luxemburg ist die Ausstellung „Grenzerfahrungen“ noch bis 28.10.2012 in der städtischen Galerie „A Spiren“ in Strassen (bei Luxemburg-Stadt), 203 rte d’Arlon, zu besichtigen. Dort ist täglich von 14.30 bis 18.30 Uhr geöffnet, außer montags. Bespielt wird die Exposition gemeinsam von solidArt (dem Luxemburger Atelier der Tagesstätte der CERMM), Atelier Vitos-Rheingau (Eltville) und mit Skulptur- und Fotoarbeiten der Ateliers im saarländischen SHG-Klinikum Merzig.

In Luxemburg ist es lobenswertes Verdienst des Veranstalters Verein CERMM, der dortigen Psychiatrie den Weg von stationären zu ambulanten Hilfen bereitet zu haben, mit einer Begegnungs- und Beratungsstelle, mit betreuten Wohnungen, Arbeits- und auch künstlerischen Angeboten. In Bezug auf Entstigmatisierung, Humanisierung und Normalisierung wurde bereits Bedeutsames erreicht und man ist weiter auf dem Weg. Der Verein "Cercle d’Entraide et de Réadaptation pour Malades Mentaux (CERMM)" wurde 1979 von Mitarbeitern des Centre Hospitalier Neuropsychiatrique (CHNP) in Ettelbrück gegründet.

Knapp fünfzig Gäste besuchten die Symposionseröffnung am 18. Oktober im Strassener Centre Barble. Die öffentliche Veranstaltung war diesmal auch als Fortbildung zugänglich. In einer Podiumsrunde diskutierten Profis aus Medizin, Therapie, Kunst und Kultur, moderiert vom Luxemburger Psychiater und Psychoanalytiker Dr. Paul Rauchs das Thema „Was ist denn nun Outsider-Kunst“. Zuvor hielt Rauchs ein spannendes, gut bebildertes Referat „Louise Bourgeois und Nikki de Saint Phalle: die ungleichen Schwestern“. Hier stieß aber -vor allem bei Zuhörerinnen- seine Aussage auf, die französische Künstlerin Nikki de Saint Phalle habe sich über den Weg ihrer besonderen Kunst „mit dem Vater versöhnt“, was bei den dunklen Taten des Vaters an der eigenen Tochter weder zu vermuten, noch nachvollziehbar ist.

Schauspielerin Andrea Sawatzki las am Abend in einer Buchhandlung in der Stadt Luxemburg Texte von psychisch erkrankten Autoren und Dichtern, wie man die Lesung „Wanderer im schwarzen Wind“ untertitelte. Weitere Vorträge und die Vernissage der „Grenzerfahrungen“ folgten am darauffolgenden Freitag, darunter Dr. phil. Thomas Röske von der Heidelberger Sammlung Prinzhorn und Dr. med. Kaiser vom Merziger SHG-Klinikum mit "Über die Heilkraft kreativen Gestaltens".

Bei der nunmehr zweiten Konferenz versuchte man das Publikum in die Diskussionen einzubeziehen. Betroffenenorganisationen der Selbsthilfe oder Künstler mit Psychiatrieerfahrung fehlten in diesem Jahr wiederum auf den Bühnen, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass man als Sponsoren die Pharmawirtschaft als festen Partner hat. Dies sehen z.B. der bundesdeutsche Betroffenenverband BPE e.V. und seine regionalen Selbsthilfeinitiativen kritisch, wie ebenso die Europäische Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in der Psychiatrie e.V. Immerhin wurde ein Vortrag einer Referentin des die Luxemburger kräftig unterstützenden Psychopharmakaproduzenten Lundbeck kurzfristig zurückgezogen. Beobachter hoffen, dass es dem Veranstalter im vergleichsweise reichen Luxemburg gelingen mag, ohne Pharmagelder zu agieren, um sich vielleicht interessante wichtige andere Kooperationen und Referenten zu erschließen, Betroffene auf den Podien und Bühnen besser auftreten, bzw. direkt mitreden zu lassen und neuen Diskurs zu eröffnen. Erfreulich, dass am Donnerstag vom Podium aus nach Vereinbarung einige Luxemburger Literaten und Bildende Künstler mit Psychiatrieerfahrung im Publikum interviewt wurden. Und da waren dann auch sehr gute, wichtige Originalstatements zu hören.

Zusammenfassend kann das 2. Internationale Symposion über Outsider-Kunst Luxemburg mit seinen vielen interessanten Vorträgen, Beiträgen und Diskussionen als wichtige Adresse und als fruchtbare fachliche Bereicherung für Luxemburg und die Region gewertet werden, dem noch mehr Zustrom zu wünschen ist. Die Luxemburger Zeitung Tagblatt berichtete zum Ereignis wie folgt (siehe link).

Die Einleitung zum zweiten Tag in Strassen sprach der Wuppertaler Outsider Art-Experte Dr. Turhan Demirel, unter dem Titel „Art Brut revisited“. Die Sammlung Demirel, die weit über 500 Exponate von besonderen Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt umfasst, kann im Internet auf den Seiten www.outsider-bildwelten.de besichtigt werden. Art-Transmitter dankt Dr. Demirel für die Überlassung seines Fachvortrags zum Nachlesen hier auf Art-Transmitter.de, für weitere Informationen (PDF)
www.tageblatt.lu/nachrichten/luxemburg/story/29152031
22.10.2012
Narren. Künstler. Heilige. Lob der Torheit
Ausstellung in der Bundeskunsthalle bis 2. Dezember 2012
Bonn. In allen menschlichen Gesellschaften gibt es die Figur des Exzentrikers, der am Rande steht, als Außenseiter gilt und zum einen verachtet, zum anderen exponiert wahrgenommen wird. Die Ausstellung „Narren. Künstler. Heilige. Lob der Torheit in der Bonner Bundeskunsthalle“ zeigt rund 200 Exponate. Sie beschreibt die unterschiedlichsten Ausprägungen dieser universalen Figur und spürt ihr in allen Weltkulturen und Epochen nach. Zeitlich schlägt sie den Bogen von altägyptischen Zeugnissen bis zu jüngsten Werken des 21. Jahrhunderts und beweist, dass trotz aller oberflächlichen Verschiedenheit des Ausdrucks die archetypische Figur und ihre Funktion seit 3000 Jahren Menschheitsgeschichte aktuell sind.

Dabei werden erstaunliche Ähnlichkeiten und Kontinuitäten aufgedeckt: Narren, Schmiede, Propheten, Dichter, Schamanen, Priester, Künstler gehören allesamt zu diesen Grenzgängern, leben in einer besonderen Sphäre und bringen Menschliches mit Übermenschlichem in Verbindung. Fremd wirkende Bilder, spirituelle Zeichen, Figuren u. a. aus dem antiken Griechenland, dem Fernen Osten, Ozeanien, Afrika, Sibirien und Südamerika treten neben europäische barocke, moderne und zeitgenössische Werke.

Während die absolute Notwendigkeit des Andersseins für das Funktionieren menschlichen Lebens in der alltäglichen Betrachtung häufig aus dem Blickfeld gerät, rückt die Ausstellung "Narren. Künstler. Heilige. Lob der Torheit" die Randfiguren ins Licht und unterstreicht die vitale Bedeutung ihrer Aufgabe.
Robert Fleck, Leiter der Bundeskunsthalle, erklärte zur Ausstellung, dass Künstler aller Zeiten und aller Gesellschaften auch Medizinmänner waren, nicht nur um Schönes zu erschaffen, sondern um ebenso zu helfen, zu heilen.

Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4, D-53113 Bonn
Tel.: 0228 9171–0
www.bundeskunsthalle.de/index.htm?ausstellungen/lobdertorheit/index_ohne.htm
Termine

21.09.2018
3. „SeelenLand“-Abend 10.10. in Trier
„Barrierefrei wohnen. Auch für die Seele?“, Kästner-Livemusik mit Rap & Outsider Art

3. „SeelenLand“-Abend 10.10. in Trier

Trier. „SeelenLand – Zum Dritten“‚ heißt es am 10. Oktober, dem Welttag der Seelischen Gesundheit, bei der AWO in der Saarstraße und als erste Veranst mehr
20.09.2018
EXTRAORDINAIRE! in Heidelberg
Unbekannte Kunst aus Schweizer Psychiatrien um 1900
Heidelberg. Museum Sammlung Prinzhorn zeigt vom 11. Oktober 2018 bis 20. Januar 2019 die Wanderausstellung „Extraordinaire!“. Künstlerisches Schaffen mehr
17.09.2018
Kunst von Harald Stoffers
Bis 27.9. in Hamburg zu sehen
Hamburg. Galerie der Villa der Elbe-Werkstätten GmbH arbeitet als Werkstatt für behinderte Menschen (WfB) und zeigt bis 27. September 2018 abstrakt-te mehr