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andersArtig / großArtig – Art Brut Revisited
23.10.2012
andersArtig / großArtig – Art Brut Revisited
Ausstellung „Grenzerfahrungen“ bis 28. Oktober in Strassen
Strassen und Luxemburg. Innerhalb des 2. Internationalen Symposions über Outsider-Kunst Luxemburg ist die Ausstellung „Grenzerfahrungen“ noch bis 28.10.2012 in der städtischen Galerie „A Spiren“ in Strassen (bei Luxemburg-Stadt), 203 rte d’Arlon, zu besichtigen. Dort ist täglich von 14.30 bis 18.30 Uhr geöffnet, außer montags. Bespielt wird die Exposition gemeinsam von solidArt (dem Luxemburger Atelier der Tagesstätte der CERMM), Atelier Vitos-Rheingau (Eltville) und mit Skulptur- und Fotoarbeiten der Ateliers im saarländischen SHG-Klinikum Merzig.

In Luxemburg ist es lobenswertes Verdienst des Veranstalters Verein CERMM, der dortigen Psychiatrie den Weg von stationären zu ambulanten Hilfen bereitet zu haben, mit einer Begegnungs- und Beratungsstelle, mit betreuten Wohnungen, Arbeits- und auch künstlerischen Angeboten. In Bezug auf Entstigmatisierung, Humanisierung und Normalisierung wurde bereits Bedeutsames erreicht und man ist weiter auf dem Weg. Der Verein "Cercle d’Entraide et de Réadaptation pour Malades Mentaux (CERMM)" wurde 1979 von Mitarbeitern des Centre Hospitalier Neuropsychiatrique (CHNP) in Ettelbrück gegründet.

Knapp fünfzig Gäste besuchten die Symposionseröffnung am 18. Oktober im Strassener Centre Barble. Die öffentliche Veranstaltung war diesmal auch als Fortbildung zugänglich. In einer Podiumsrunde diskutierten Profis aus Medizin, Therapie, Kunst und Kultur, moderiert vom Luxemburger Psychiater und Psychoanalytiker Dr. Paul Rauchs das Thema „Was ist denn nun Outsider-Kunst“. Zuvor hielt Rauchs ein spannendes, gut bebildertes Referat „Louise Bourgeois und Nikki de Saint Phalle: die ungleichen Schwestern“. Hier stieß aber -vor allem bei Zuhörerinnen- seine Aussage auf, die französische Künstlerin Nikki de Saint Phalle habe sich über den Weg ihrer besonderen Kunst „mit dem Vater versöhnt“, was bei den dunklen Taten des Vaters an der eigenen Tochter weder zu vermuten, noch nachvollziehbar ist.

Schauspielerin Andrea Sawatzki las am Abend in einer Buchhandlung in der Stadt Luxemburg Texte von psychisch erkrankten Autoren und Dichtern, wie man die Lesung „Wanderer im schwarzen Wind“ untertitelte. Weitere Vorträge und die Vernissage der „Grenzerfahrungen“ folgten am darauffolgenden Freitag, darunter Dr. phil. Thomas Röske von der Heidelberger Sammlung Prinzhorn und Dr. med. Kaiser vom Merziger SHG-Klinikum mit "Über die Heilkraft kreativen Gestaltens".

Bei der nunmehr zweiten Konferenz versuchte man das Publikum in die Diskussionen einzubeziehen. Betroffenenorganisationen der Selbsthilfe oder Künstler mit Psychiatrieerfahrung fehlten in diesem Jahr wiederum auf den Bühnen, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass man als Sponsoren die Pharmawirtschaft als festen Partner hat. Dies sehen z.B. der bundesdeutsche Betroffenenverband BPE e.V. und seine regionalen Selbsthilfeinitiativen kritisch, wie ebenso die Europäische Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in der Psychiatrie e.V. Immerhin wurde ein Vortrag einer Referentin des die Luxemburger kräftig unterstützenden Psychopharmakaproduzenten Lundbeck kurzfristig zurückgezogen. Beobachter hoffen, dass es dem Veranstalter im vergleichsweise reichen Luxemburg gelingen mag, ohne Pharmagelder zu agieren, um sich vielleicht interessante wichtige andere Kooperationen und Referenten zu erschließen, Betroffene auf den Podien und Bühnen besser auftreten, bzw. direkt mitreden zu lassen und neuen Diskurs zu eröffnen. Erfreulich, dass am Donnerstag vom Podium aus nach Vereinbarung einige Luxemburger Literaten und Bildende Künstler mit Psychiatrieerfahrung im Publikum interviewt wurden. Und da waren dann auch sehr gute, wichtige Originalstatements zu hören.

Zusammenfassend kann das 2. Internationale Symposion über Outsider-Kunst Luxemburg mit seinen vielen interessanten Vorträgen, Beiträgen und Diskussionen als wichtige Adresse und als fruchtbare fachliche Bereicherung für Luxemburg und die Region gewertet werden, dem noch mehr Zustrom zu wünschen ist. Die Luxemburger Zeitung Tagblatt berichtete zum Ereignis wie folgt (siehe link).

Die Einleitung zum zweiten Tag in Strassen sprach der Wuppertaler Outsider Art-Experte Dr. Turhan Demirel, unter dem Titel „Art Brut revisited“. Die Sammlung Demirel, die weit über 500 Exponate von besonderen Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt umfasst, kann im Internet auf den Seiten www.outsider-bildwelten.de besichtigt werden. Art-Transmitter dankt Dr. Demirel für die Überlassung seines Fachvortrags zum Nachlesen hier auf Art-Transmitter.de, für weitere Informationen (PDF)
www.tageblatt.lu/nachrichten/luxemburg/story/29152031
22.10.2012
Narren. Künstler. Heilige. Lob der Torheit
Ausstellung in der Bundeskunsthalle bis 2. Dezember 2012
Bonn. In allen menschlichen Gesellschaften gibt es die Figur des Exzentrikers, der am Rande steht, als Außenseiter gilt und zum einen verachtet, zum anderen exponiert wahrgenommen wird. Die Ausstellung „Narren. Künstler. Heilige. Lob der Torheit in der Bonner Bundeskunsthalle“ zeigt rund 200 Exponate. Sie beschreibt die unterschiedlichsten Ausprägungen dieser universalen Figur und spürt ihr in allen Weltkulturen und Epochen nach. Zeitlich schlägt sie den Bogen von altägyptischen Zeugnissen bis zu jüngsten Werken des 21. Jahrhunderts und beweist, dass trotz aller oberflächlichen Verschiedenheit des Ausdrucks die archetypische Figur und ihre Funktion seit 3000 Jahren Menschheitsgeschichte aktuell sind.

Dabei werden erstaunliche Ähnlichkeiten und Kontinuitäten aufgedeckt: Narren, Schmiede, Propheten, Dichter, Schamanen, Priester, Künstler gehören allesamt zu diesen Grenzgängern, leben in einer besonderen Sphäre und bringen Menschliches mit Übermenschlichem in Verbindung. Fremd wirkende Bilder, spirituelle Zeichen, Figuren u. a. aus dem antiken Griechenland, dem Fernen Osten, Ozeanien, Afrika, Sibirien und Südamerika treten neben europäische barocke, moderne und zeitgenössische Werke.

Während die absolute Notwendigkeit des Andersseins für das Funktionieren menschlichen Lebens in der alltäglichen Betrachtung häufig aus dem Blickfeld gerät, rückt die Ausstellung "Narren. Künstler. Heilige. Lob der Torheit" die Randfiguren ins Licht und unterstreicht die vitale Bedeutung ihrer Aufgabe.
Robert Fleck, Leiter der Bundeskunsthalle, erklärte zur Ausstellung, dass Künstler aller Zeiten und aller Gesellschaften auch Medizinmänner waren, nicht nur um Schönes zu erschaffen, sondern um ebenso zu helfen, zu heilen.

Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4, D-53113 Bonn
Tel.: 0228 9171–0
www.bundeskunsthalle.de/index.htm?ausstellungen/lobdertorheit/index_ohne.htm
BPE-Jahrestagung vom 12. bis 14. Oktober in Kassel
09.10.2012
BPE-Jahrestagung vom 12. bis 14. Oktober in Kassel
Kultur-Gesundheitsprojekte SeelenLaute und Art-Transmitter informieren
Kassel. Der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) e.V. veranstaltet seine diesjährige Jahrestagung vom 12. bis 14.10. 2012 wieder in Kassel im Jugendgästehaus (DJH), Schenkendorfstraße 18. Über 100 Teilnehmer aus ganz Deutschland treffen sich zu einem umfangreichen Programm aus Referaten, Vorträgen, Arbeitsgruppen und Besprechungen, darunter viele Vertreter regionaler und örtlicher Selbsthilfeinitiativen.

In Zusammenarbeit mit der Europäischen Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in der Psychiatrie e.V. wird die saarländische Kreativ-Selbsthilfelandesorganisation SeelenLaute mit einem großen Stand und persönlichen Ansprechpartnern vor Ort sein und informieren. SeelenLaute- und BPE-Mitglieder sind bei Art-Transmitter Künstler und umgekehrt. Vernetzung und Kontakt wird so vorbildlich praktiziert, wie es ein Selbsthilfeexperte schon im vergangenen Jahr dort bewertete.

DJH Kassel (als Veranstaltungsort): Tel. 0561 776455
Telefonischer Tageskontakt zu SeelenLaute/Art-Transmitter am 12. und 13. Oktober 2012 in Kassel unter Tel. 0178 2831417

Nähere Informationen zum BPE e.V. im Netz unter
www.bpe-online.de
Termine

20.11.2017
22.11. galerie gugging
Vernissage "Navratils Künstlergästebuch“
Maria Gugging (Österreich). Die Eröffnung der Ausstellung „Navratils Künstlergästebuch“ findet am 22. November 2017 um 19.00 Uhr statt und ist bis 14. mehr
15.11.2017
Pop-Up Outsider Art in Rotterdam
Dezember 2017 neues Museum
Rotterdam (Niederlande). In Rotterdam eröffnet Stichting Cultureel Rijk ein temporäres Museum der Outsider Art. „The Pop-Up Grow Big Museum“ zeigt im mehr
02.11.2017
„Kunst und Psychiatrie“-Symposion am 15.11. in Echternach

Echternach (Luxemburg). Wie PSYCHART asbl aus Luxemburg mitteilt, veranstaltet man ein 6. Symposion „Kunst und Psychiatrie“ am 15. November 2017 von 1 mehr