Nachrichten
01.11.2014
Art brut 2 im La Halle Saint Pierre
Collection de Stadshof in Paris bis 4. Januar 2015
Paris. Nach dem Erfolg der vom Outsider Art-Fachmagazin Raw Vision kuratierten art brut-Ausstellung, die im August ausklang, präsentiert Museum Halle Saint Pierre mit „Art Brut 2“ jetzt Arbeiten aus der holländischen Sammlung de Stadshof, mit Werken von vierzig Künstlern aus der ganzen Welt. Aus Deutschland ist Kunst von Hans Langner zu sehen.

Die Ausstellung ist bis 4. Januar 2015 in der rue Ronsard 2, F-75018 Paris zu besichtigen. Weitere Informationen unter Tel. 0033 (0) 142 58 72 89 sowie im Netz unter
www.hallesaintpierre.org
29.10.2014
Aufregende Hoteltage in Paris
2. Outsider Art-Messe war erfrischend anders
Paris. In Europa Fuß fassen, und das als David gegen Goliath: Dies gelang dem New Yorker Kunsthändler Andrew Edlin mit seiner Agentur Wide Open Arts letztes Jahr. Man hatte Frankreich als das Ursprungsland der Art Brut gewählt, um die Rezeption der Outsider Art in Europa zu beflügeln und sie mit der amerikanischen sowie weltweiten zu vernetzen. In den Staaten ist die von zeitlicher Mode unabhängig produzierte, kulturell „ungekochte“ self taught-Art längst eine (kommerzialisierte) Kunstmarke, die Künstler aus allen möglichen gesellschaftlichen Randgruppen einbezieht und auch ethnische Volkskunst einschließt. Paris ist ein Ableger der OAF New York, die diesen Mai ins 22. Jahr ihres Bestehens ging. Der Brückenschlag aus New York ist gelungen.

Genau zur Zeit der großen etablierten Foire internationale d´art contemporain (FIAC) im pompösen Grand Palais, setzen die Amerikaner ihre kleine aber feine, inzwischen zweite Pariser Outsider Art Messe ein paar Straßen weiter im Areal der Champs Élysées entgegen. Dazu wird ein Design-Hotel für die außergewöhnliche Kunstmesse angemietet. Hier muss man sich über den Weg laufen, nah kommunizieren, wenn Bilder und Plastiken auf Betten, Nachttischen und sogar im Badezimmer präsentiert sind, die Flure und Treppen eng, ein kleiner Aufzug alle transportieren muss.

Gut 2.000 Besucher zogen vom 23. bis 26. Oktober 2014 durch die sechs Etagen des „Le A“ in der rue d´Artois. In 25 Zimmern verteilten sich 25 internationale Aussteller aus Europa, Amerika und Japan: Galleristen, private Kunsthändler, besondere Kunstzentren und ein Museum, mit den von Ihnen repräsentierten Künstlern bzw. deren Arbeiten.


- Ausführlicher Artikel folgt -
WdSG 2014: „Komm gib mir.. Dein Stück Land!“
22.10.2014
WdSG 2014: „Komm gib mir.. Dein Stück Land!“
Selbsthilfe SeelenLaute Saar zog über 60 Gäste an
Völklingen und Wadern. Unter diesem Motto war Selbsthilfe SeelenLaute Saar, zusammen mit der Merziger Ortgruppe SeelenLaute, mit drei eigenen Sonderveranstaltungen in den Wochen der Seelischen Gesundheit 2014 (Thema „Heimat - Fremde“) saarlandweit inklusiv aktiv. Man arbeitete wieder mit bewährten Kooperationspartnern zusammen, wie dem Bündnis gegen Depression (Saarbrücken), der Stadt Völklingen, Hofgut Per la Vita (Wadern), dem Büro für Kultur- und Sozialarbeit Saar (Bous) und der Europäischen Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in der Psychiatrie (Dortmund). Freundlich gefördert wurden die Projekttage von AOK Saarland, BKK ZF & Partner, Pronova BKK, Knappschaft, dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, und dem Landkreis Merzig-Wadern. Mit über sechzig Gästen und Teilnehmern war eine erfolgreiche Resonanz zu verzeichnen, was die Beteiligten mit Freude und Zufriedenheit vermerkten.

In Völklingen gab es am 13. Oktober den „Kulturellen Informationsabend I“ in der Stadtbibliothek, mit einem vielseitigen Programm mit Referenten und Kulturschaffenden mit und ohne Psychiatrieerfahrung zu besonderen Lebenserfahrungen.

Frank Weinsheimer, der aus Saarbrücken vom Bündnis gegen Depression für den erkrankten Frank Lessel einsprang, erzählte biografisch aus erster Hand wie vehement eine Depression sein kann, was sie in Bezug auf Arbeit zur Folge haben kann und bezog das Publikum mit einem heiteren Depressions-Check und mitgebrachten Gesundheitskeksen ein. Selbsthilfegruppen seien für Betroffene oft ein „Segen“. Ein Publikumsgast äußerte Kritik an der stationären Völklinger Psychiatrie und berichtete von dort erlebtem weniger vertrauensvollem Umgang mit Patienten mit depressiven und Psychose-Diagnosen seitens professioneller Fachkräfte. Da müsse noch dazu gelernt werden. Hermann Gelszinus, saarländischer Gitarrist, Liedermacher und Musiklehrer stellte Musik als Zuhause und befreiendes Medium dar. Für diesen SeelenLaute-Abend hatte er eigens sechs neue Titel komponiert und geschrieben, darunter ein Song über eine Afrikanerin im Saarland. Wolfgang Loskant (Bübingen) las Auszüge aus seiner spannenden Kurzgeschichte „Der Bücherwurm“, Liam Ducray brillierte mit feiner Lyrik, dunkler und heller Schattierung. Gérard Carau, Mundartspezialist vom grenzüberschreitenden Kulturverein Gau un Griis (Sitz: Bouzonville) musste wegen Grippe leider kurzfristig absagen. Als Mundartdichter las Gangolf Peitz alternativ mehrere seiner ernsten und heiteren Gedichte aus der Zeitschrift „Paraple“. Er verwies auf Mundart als Möglichkeit für Miteinander und Wohlfühlen. Spontan führte der Moderator eine kleine Publikumsumfrage durch. Diese ergab, dass die meisten Mundart sprechen, nutzen und dies in persönlichen Zusammenhängen schätzen.

Es folgte der zweite Abend, in Wadern am 14. Oktober auf Hofgut Per la Vita, in neuer Besetzung in der Ausgabe II. In Morscholz trat der Saarburger Outsider-Musiker und Dichter Patric Ludwig auf. Er sang seine Songs „E besjen“, „Abendrock“ und „Komm gib mir dein Stück Land“, eine freie Beatles-Variation, die den SeelenLaute-Tagen ihren Titel gab. Gekonnt brachte er das Zuhausesein im Glück des Moments, im gewitzten Bescheidenen rüber. Nach der Pause begeisterte Ute Leuner aus Hamburg mit ihrem eigens für die Wochen geschriebenen Programm „Reisefieber“ die Gäste: poetisches Musikkabarett vom Feinsten, mit Frauenpower und Tiefgang. Im SeelenLaute-Talk diskutierte Liberto Balaguer (Dortmund) von der Europäischen Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in der Psychiatrie e.V. „Kunst und Heimat“, worüber sich ein angeregter Dialog mit Wortmeldungen aus dem Publikum entspannte. Künstlerin Ute Leuner meinte, ihr Zuhause sei die Bühne geworden, auch das „unterwegs sein“. So ließen sich künstlerisch besondere, auch leidvolle Lebens- und Wahrnehmungserfahrungen sinnvoll verarbeiten, weiter reichen.

Sowohl in Völklingen wie in Wadern erhielt auch die Rezitation von Lyrik verschiedener Autoren aus der (leider erst im November erscheinenden) Sonderbroschüre „Best of SeelenLaute“ viel Applaus. Büchertische, Infoauslagen und gesunder Imbiss wurden bei den facettenreichen Zweistunden-Abenden rege genutzt.

Den Abschluss bildeten am 17. und 18.10.2014 die ganztägigen Saarländischen Selbsthilfe-Kreativseminartage für seelische Gesundheit, wiederum in Wadern bei Hofgut Per la Vita, mit Workshops zu Klang („Harfe für die Seele“, im praktischen Teil mit Übungen am Instrument sowie der gemeinsamen Komposition und Aufführung eines Songs) bzw. Kunst („Abstrakt malen – hilft!“ zum Thema ‚Zuversicht‘) und einer geführten meditativen Gesundheits-Naturwanderung. Im allgemeinen Teil standen den Gästen auch hier eine Literaturauslage und Informationsmaterial zu seelischer Gesundheit, Selbsthilfe und Kultur zur Verfügung, ergänzt durch Hofführungen und einen Kaffeestand mit selbst gebackenem Kuchen.

Saarbrücker Zeitung, Wochenspiegel und Waderner Amtsblatt berichteten ausführlich zu den drei besonderen, direkt aus der Selbsthilfe initiierten und von ihr organisierten Veranstaltungen, im Hörfunk wurde eine Information gesendet. An allen Tagen beteiligte sich das einbezogene Publikum mit interessanten Wortbeiträgen und nutzte die Veranstaltungen zur Wissenserweiterung, für Vernetzung und persönlichen Austausch. Vorurteile konnten abgebaut, sympathische Normalität hergestellt werden. Die Mühen der Selbsthilfe-Aktiven von SeelenLaute, ihrer Freunde und Helfer hatten sich gelohnt. „Da capo 2015!“ hieß es abschließend an beiden Orten von den Besuchern. Betroffene, Angehörige, Professionelle und weitere interessierte BürgerInnen aus dem ganzen Saarland waren gekommen.

Text: BKS Saar – Bildnachweis/Foto: L. Balaguer

Für einige Wochen nach Veranstaltung im Netz abrufbar:
www.wochenspiegelonline.de/content/nachrichten/saarland/article/abend-mit-referaten-und-infos
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