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2. SeelenLaute-Fest mit zahlreichen Gästen von Saar und Mosel
18.08.2010
2. SeelenLaute-Fest mit zahlreichen Gästen von Saar und Mosel
Kultureller Selbsthilfetag für seelische Gesundheit erfolgreich etabliert
Saarbrücken. Rund um das Sommerheft der Selbsthilfezeitschrift "SeelenLaute" wurde am 3. August 2010 in Saarbrücken-Burbach im historischen Alten Casino in den Räumen des Malclub-Saar e.V. das zweite SeelenLaute-Fest gefeiert. Veranstalter war die saarlandweit arbeitende Selbsthilfeinitiative SHG SeelenLaute, in Kooperation mit der Europäischen Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in der Psychiatrie (Dortmund) und dem Saarbrücker Malclub-Saar e.V. Der kulturelle Selbsthilfetag findet mit freundlicher Unterstützung des saarländischen Ministeriums für Gesundheit und Verbraucherschutz und der gesetzlichen Krankenversicherung statt. Er soll helfen, Vorurteile und Informationsdefizite abzubauen und Erfahrungsaustausch mit Betroffenenkompetenz zu fördern.

Der Erfolg beeindruckte, sodass sich die Veranstaltung nun fest als regionaler Gesundheitstag „von unten“ etabliert hat. 2009 in einer psychosozialen Tageseinrichtung mit Präsenzpublikum gestartet und mit der höchsten Besucherzahl der dortigen Einrichtung beim ersten Fest, lautete diesmal die Frage für Organisator und Tagesmoderator Gangolf Peitz: kommen Betroffene, Psychiatrieerfahrene in diese „normale“ Kultureinrichtung und kommen „normale“ Gäste zu einem solchen „Psycho-Event“, zudem mit ungewöhnlichem Podiumsthema, nach Saarbrücken-Burbach? Die intensive Informationsarbeit mit Flyern, Plakaten und detaillierter Pressearbeit hatte sich gelohnt, Lokal- und Fachpresse berichteten im Vorfeld intensiv. Und dann kamen sie, noch mehr als in 2009... Ein sympathisches, gemischtes Publikum von über 70 Gästen nutzte den Selbsthilfetag für Erfahrungs- und Informationsaustausch, zu neuen Vernetzungen und Freundschaften.


Über 70 Gäste von Saar und Mosel

Da trafen sich Nutzer saarländischer Tageszentren und -kliniken aus Saarbrücken oder Merzig und bis aus Kaiserslautern und Hessen waren Bürger mit seelischen Handicaps angereist. Unter den Gästen aber genauso Künstler und Freunde des Malclub-Saar, professionell im Gesundheitssektor Arbeitende, Angehörige, Gesundheits- und Kulturinteressierte Bürgerinnen und Bürger. Das "Saarländische Bündnis gegen Depression" und die Presse waren zugegen.
Regionale der Selbsthilfe verbundene Vereine, Gruppen, Einzelaktivisten aus Gesundheit, Kunst, Literatur und Kultur hatten Vertreter geschickt oder Informationsmaterial zur Verfügung gestellt. An den Infotischen konnte man auch Literatur erwerben. Großen Anklang fand hier die Kunstpräsentation mit abstrakten bzw. heiter-verspielten Aquarellen von Künstlerin Gertrud Hessedenz und „Outsider-Art“-Maler Vinzenz Lamm.
Über das europäische Kunstförderprojekt art-transmitter, den Bundesverband BPE e.V wurde informiert und Elmar Willie referierte über die Arbeit des Malclub-Saar, der dieses Jahr die Räumlichkeiten stellte. Zusammen mit Künstlerin Ute Schillo machte er Führungen durch die interessanten Ateliers.


Vielseitiges Programm mit Information, Livemusik, Kunst und Literatur

SeelenLaute-Lyrikerin Birgit Selzer aus Kaiserslautern trug aus ihrem schriftstellerischen Werk vor. ComputerArt-Künstler Patric Bouillon aus Saarbrücken, aktueller Gewinner der SeelenLaute-Künstlerprämie, hatte Originale seiner Arbeiten mitgebracht und stand für persönliche Gespräche zur Verfügung. Lesungen aus dem neuen Sommerheft der Selbsthilfezeitschrift „SeelenLaute“ („Für alle Anderen. Und alle“), des saarländischen Printmediums für seelische Gesundheit mit Betroffenenkompetenz und ein Kabarett mit Gangolf Peitz, u.a. über die "Anstalt", dienten der abwechslungsreichen Gestaltung dieses Tages. Pausen gaben genügend Gelegenheit zu Gesprächen, Kontakt und zur Diskussion von Selbsthilfeprojekten, - bei Getränken zum Einheitsminipreis von 50 Cent.

Im Livekonzert bewies Patric Ludwig, Betroffenenmusiker aus Saarburg sein Können mit eigenen Songs zur Gitarre, darunter das „Hungerleiderlied“, der "Viez-Organisierungsgang-Song" und sein legendärer Saarburg-Blues. Ludwig spielte in drei Teilen, da er auch den Part von Thomas Ehrler übernahm und trug überdies noch Mundartgedichte aus eigener Feder vor. Einige Besucher steuerten spontan Text- und Musikbeiträge bei.


Spannendes Abendpodium „Künste als Genesung?“

Zum Abendpodium "Künste als Genesung?" um 20 Uhr, moderiert vom Dortmunder Journalisten Liberto Balaguer, war das Foyer voll besetzt. Die Frage inwieweit uns die Künste, sprich Bildende Kunst, Literatur, Musik, Theater etc. zu seelischer Gesundheit helfen, wurde vielschichtig beleuchtet und diskutiert.
Christina Quartz (Saarbrücken), Psychiatrieerfahrene und langjährige Selbsthilfeaktivistin, die kurzfristig für Thomas Ehrler als Diskutantin einsprang, schilderte Nachteile und Vorzüge z.B. einer bipolaren Gesundheitsbeeinträchtigung, wenn die Wahrnehmung eine ganz andere ist. Sie erzählte von Kulturgenies wie van Gogh, Hesse, Kafka, von den hochkarätigen Patientenkünstlern der Heidelberger Prinzhornsammlung und von den zeitgenössischen "Outsiderart"-Künstlern in der europäischen Kunstsammlung Art-Transmitter.de. Verrücktes und Anderssein rückten in den Gesprächsfokus.
Elmar Willié, Maler und 1. Vorsitzender des Malclub-Saar e.V., der schon Jahrzehnte „Kunst macht“ und dabei einen "mathematisch-surrealen" Stil pflegt, formulierte im Podium: "Wir Künstler sind doch alle was verrückt!". Was er sich beim Malen denke? „Nichts! Ich male einfach. Das ist doch das Schöne und Freie in der Kunst". Im Verein Malclub-Saar entspanne und helfe nicht nur das Malen an sich, sondern auch die diversen Aktivitäten und das Erlebnis einer Künstlergemeinschaft aus ganz unterschiedlichen Charakteren und Herkünften. Man sei hier unkompliziert und offen für Jeden mit Interesse an Malerei und Bildender Kunst.
Klaus Schlagmann, Saarbrücker Diplom-Psychologe und Autor diverser kritischer Bücher zu Psychoanalyse-Themen, brach ebenfalls eine Lanze für die Realisation kreativen Potentials von Menschen mit seelischen Leiden. Mit Hinweis auf den nicht negativen griechischen Wortstamm der Vokabel Idiot (= der Privatlebende) postulierte er salopp: „Ich wünsche mir einfach mehr Idioten!" Kunstbetätigung brauche immer Leidenschaft, nicht therapeutische Verordnung, hieß es. Menschen mit besonderer Lebenserfahrung hätten interessante(re) Geschichten zu erzählen, fruchtbar nutzbar für eine andersartige, unkonventionelle, spannende Kultur.

Mehrere engagierte Wortmeldungen aus dem Publikum bestätigten die Wichtigkeit und den Gesprächsbedarf an der gewählten Themenstellung: Wie ist der Einfluss von Medikamenten auf das Kunstschaffen? Verfälschen und behindern Psychopharmaka nicht befreiende Malerei und wird durch medikamentöse Konzentrationsstörungen gesundende poetische Arbeit Betroffener nicht geradezu verhindert? Politik, Wirtschaft und Gesundheitssystem wurden ins Kalkül gezogen. Ein Gast gab zu verstehen, dass es "d e n psychisch Kranken" ja nicht gebe, jeder Mensch habe emotionale Schwankungen bzw. die Grenzen sind fließend. Eine Dame, Künstlerin im Malclub-Saar heute, berichtete vom Bewältigen privater Trauererlebnisse mittels eigener gemalter Bilder, woraus eine Ausstellung wurde. Eine Musiktherapeutin forderte die interdisziplinäre Zusammenarbeit von musischen, medizinischen und therapeutischen Angeboten für seelische erkrankte Menschen.


SeelenLaute-Fest 2011 in Merzig

Die letzten Gäste verließen den Malclub-Saar in der Hochstraße 63 schließlich gegen 22 Uhr. Künste als Genesung? Liberto Balaguer konnte die Frage zum Abschluss des lebendigen Abendpodiums mit einem klaren Ja beantworten. Das Thema wird mit neuer Podiumsbesetzung auf dem 3. SeeleLaute-Fest im Spätsommer 2011 in der Stadthalle Merzig fortgesetzt. Dann gibt es auch eine große mehrwöchige "Outsider-Art"-Kunstausstellung mit renommierten Künstlern der Region.

Über die Selbsthilfezeitschrift "SeelenLaute" hier weitere Informationen (PDF)
13.08.2010
Internationaler Kunstwettbewerb zu Abfallthema
AZV Hof sucht KünstlerInnen
Hof. Einen Internationalen Kunstwettbewerb besonderer Art hat der Abfallzweckverband im bayerischen Hof in Kooperation mit regionalen, polnischen und brasilianischen Partnern ausgeschrieben.
Künstler können Werke aus den Genres Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie oder Mode einreichen. Die Verbindung der Themen Kunst – Abfall - Recycling soll thematisch zum Tragen kommen. Zwölf beste Beiträge werden in einem Abfallkalender 2011 publiziert, zudem sind Ausstellungen in allen drei beteiligten Ländern sowie eine Internetpräsentation geplant. Als Preisgeld werden 1.500 Euro zur Verfügung gestellt, Bewerbungsschluss ist der 31. August 2010.

Kontakt und weitere Informationen:
AZV Hof, Kirchplatz 10, 95028 Hof
Tel. 09281 725915
www.azv-hof.de
10.08.2010
Asklepios-Klinik zerstört Kunstwerke Psychiatrieerfahrener
Vehemente Proteste in Hamburg gegen achtlosen Abriss
Hamburg. Als Skandal bezeichnet die psychosoziale Fachpresse den Abriss von Skulpturen psychiatrieerfahrener Künstler, ehemals Patienten der Einrichtung, durch das Asklepios-Klinikum Nord im Frühjahr. Das Krankenhaus hatte die renommierten Kunstwerke im Rahmen einer Grundstücksübergabe abreißen lassen. Die Bildenden Künstler waren dazu nicht kontaktiert worden. Profi-Künstler Prof. Siegfried Neuenhausen hatte die Arbeiten 1982 mit Patienten geplant und geschaffen. Neuenhausen monierte die „achtlose Zerstörung“ der großen Stelenskulpturen, die 1983 sogar beim Hannoverschen Kunstverein in einer Ausstellung gezeigt wurden.
Tobias Feindt, kaufmännischer Direktor der Klinik entschuldigte sich und verwies auf „wirtschaftliche Gründe“, die eine Rettung der Skulpturen erschwert hätten.

Norddeutsche Psychiatrieerfahrene, Angehörige, lokale Kunstexperten, Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt und auch die Hamburger Kulturbehörde verurteilten das gedankenlose Vorgehen von Asklepios. Ein solches Verhalten laufe der propagierten Förderung von Kunst psychisch erkrankter Menschen diametral entgegen. Asklepios habe sich schon in den neunziger Jahren nicht mehr um die Skulpturen gekümmert.
Ungeklärt ist noch, inwieweit der norddeutsche Klinikkonzern jetzt Entschädigungen an die Künstler zahlt.
Termine

20.11.2017
22.11. galerie gugging
Vernissage "Navratils Künstlergästebuch“
Maria Gugging (Österreich). Die Eröffnung der Ausstellung „Navratils Künstlergästebuch“ findet am 22. November 2017 um 19.00 Uhr statt und ist bis 14. mehr
15.11.2017
Pop-Up Outsider Art in Rotterdam
Dezember 2017 neues Museum
Rotterdam (Niederlande). In Rotterdam eröffnet Stichting Cultureel Rijk ein temporäres Museum der Outsider Art. „The Pop-Up Grow Big Museum“ zeigt im mehr
02.11.2017
„Kunst und Psychiatrie“-Symposion am 15.11. in Echternach

Echternach (Luxemburg). Wie PSYCHART asbl aus Luxemburg mitteilt, veranstaltet man ein 6. Symposion „Kunst und Psychiatrie“ am 15. November 2017 von 1 mehr